Viele Leute legen bei ihrer Andacht und ihrer
Beziehung zu Gott grossen Wert auf die Formalitäten und lassen das eigentliche Wesen
unberücksichtigt.
Zum Beispiel im Gebet stehen sie vor Gott, sprechen zu ihm und
legen grossen Wert auf die Worte und ihre grosse Zahl. Das alles sind Formalitäten, denn
das eigentliche Wesen des Gebetes ist die Verbindung, die den Menschen mit Gott verbindet,
das Gefühl, in der Gegenwart der Göttlichkeit zu sein.
Beim Fasten konzentrieren sie sich auf die Dauer, auf die
Enthaltsamkeit und die Art der Speisen. Auch das sind Formalitäten.
Was die Essenz des Fastens als solches anbelangt, ist sie die
Komponente des Wiedersehens, der Selbstbeherrschung, das Kontrollieren des Körpers und
das Sicherheben über das Niveau der Materie und der Nahrung. Das ist es, was viele
vernachlässigen.
Bei der Vorbereitung auf den Empfang der Kommunion legen die
Leute oftmals grossen Wert auf die körperliche Reinlichkeit in formeller Art, ohne auf
die eigentliche körperliche und geistige Reinheit Wert zu legen.
Einige legen bei der Lektüre des heiligen Buches grossen Wert
auf die Quantität der Lektüre und ihre Häufigkeit, das ist eine äussere Erscheinung.
Aber die Essenz ist die Lektüre mit Verständnis und Überlegung, das sich Versenken in
die Ausdrücke und der Übergang von der Lektüre zu Geist und Leben.
Einige treten in das mönchische Leben ein und legen grossen Wert
auf die äussere Form hinsichtlich der Prostrationen, ihrer Anzahl und Häufigkeit, des
Fastens seiner Dauer und Intensität, des Einschliessens in die Zelle, des Schweigen, der
Vernachlässigung der Kleidung. Aber die innere Herzensreinheit, das wahre Sichlösen von
der Welt und das Ziel des Mönchtums hinsichtlich der Beschäftigung mit Gott und seiner
Liebe, das vergessen sie, indem sie auf Formalitäten Wert legen!
Auch den Gottesdienst verderben die Formalitäten oftmals, da
unser ganzes Interesse sich darauf richtet, was wir sagen werden. Aber, dass unsere Rede
auf die Veränderung der Herzen der Leute und ihre Hinführung zur Gottesliebe Einfluss
hat, das vernachlässigen viele. Da vermehren sich beim Gottesdienst zahlreiche
Aktivitäten, Anordnungen und glänzende Namen und all das sind Formalitäten. Das
Tiefgreifende, welches das Ziel beim Gottesdienst ist, ich meine die Erlösung der Seelen,
ist bekannt, aber wo bleibt es?
Die Formalitäten errichten niemals das (himmlische) Reich, aber
sie rufen uns in Erinnerung, was der Herr über die Schriftgelehrten und Pharisäer sagte,
die "die Becher und Schüsseln aussen sauberhalten" und "die Gräbern
gleichen, die aussen weiss angestrichen sind, im Inneren aber voll Schmutz" (Mt 23:
25,27).
Für Gott sind Formalitäten nicht wichtig, deshalb sagte er:
"Mein Sohn, gib mir dein Herz" (Spr 23:26), deshalb interessiert er sich nicht
für den Buchstaben des Gebots, sondern für die Liebe, die darin liegt, und er sagte von
der Liebe: "an ihr hängt das ganze Gesetz und die Propheten" (Mt 22:40).